Effektive Kommunikation als Software Engineer

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Warum gute Kommunikation so wichtig ist

Professionell agierende Teams sind erfolgreich, weil ihre Kommunikation funktioniert. Beispiele dafür kennt jeder von uns: Seilschaften im Bergsport, Fussballmannschaften, Weltraumbesatzungen. Das kann die Crew im Cockpit eines Flugzeugs sein, der Kapitän mit seiner Mannschaft auf der Brücke eines Kreuzfahrtschiffs, das Personal in einem Restaurant oder Rock-Band und Stage-Crew auf einer Tournee. Überall spielt die Kommunikation eine Schlüsselrolle für ein gelungenes Ergebnis und das erfolgreiche Ineinandergreifen verschiedener Disziplinen und Rollen.

Als Software Engineers sollten wir uns immer der Tatsache bewusst sein, dass wir nicht nur durch die technischen Skills, sondern auch durch unsere Fähigkeit zur Kommunikation in der Softwareentwicklung einen massgeblichen Anteil am Erfolg oder Misserfolg eines Projekts und eines Unternehmens haben können. Eine saubere und klare Kommunikation ist integraler Bestandteil erfolgreicher Strategien und Projekte, fehlende oder zurückgehaltene Informationen können hingegen selbst durch das grösste Budget kaum kompensiert werden.

Wer kommuniziert, übermittelt Informationen. Wer Informationen übermittelt, wird als kompetent wahrgenommen – vorausgesetzt, die Informationen sind logisch nachvollziehbar und einfach verständlich. Unsere persönliche Einschätzung des bereits vorhandenen Wissens anderer Personen steht hierbei der Realität nicht selten diametral gegenüber und wir überschätzen deutlich, welche Informationen ausserhalb des eigenen Kontexts bekannt sind. In der Folge kommunizieren wir zu wenig, zu ungenau oder zu leise.

Viele Informationen in diesem Artikel sind nicht nur für die Kommunikation von Software Engineers relevant, sondern haben eine gewisse Allgemeingültigkeit. Dennoch lege ich den Fokus an einigen Stellen insbesondere auf die Engineers und auf ihre Rolle in einem erfolgreich agierenden Unternehmen.

Kommunikation als Bindeglied innerhalb des Teams

Ein eingespieltes Team zeichnet sich generell durch sehr gute Kommunikationsfähigkeiten untereinander aus. Ein typisches Beispiel ist das OP-Team im Krankenhaus, bestehend aus unterschiedlichsten Rollen wie Chirurgen, Anästhesisten, Assistenzmitarbeitern und weiteren wichtigen Mitarbeitern. Neben einer routinierten Zusammenarbeit ist eine klare, unmissverständliche Kommunikation zwischen diesen einzelnen Personen ein extrem wichtiges Puzzleteil, um das Ziel einer erfolgreich Operation erreichen zu können.

Auch wenn die direkten Auswirkungen in einem interdisziplinären Engineering-Team normalerweise glücklicherweise nicht so kritisch wie bei einer Operation sind, können wir dennoch viel von den Kommunikationsfähigkeiten aus solchen Branchen lernen. Ein Team mit den besten Mitarbeitern ist nur so gut wie ihre Kommunikationsfähigkeit untereinander. Das wird umso wichtiger, je grösser ein Team wird und je mehr Teams in einem Business existieren. Nicht umsonst wird oft das „Two Pizza Team“ als ideale Grösse erwähnt, also ein Team mit maximal sechs bis acht Personen. In dieser Grösse ist eine flüssige Zusammenarbeit gut möglich, die Entscheidungswege sind kurz und die Kommunikation zwischen den einzelnen Personen kann einfach sichergestellt werden.

Bereits in dieser noch sehr überschaubaren Grösse ist gute Kommunikation kein Selbstläufer. Die typischen, mehr oder weniger institutionalisierten Gelegenheiten für einen Informationsaustausch sind normalerweise Daily Standups, Retros, One-on-ones oder Pair Programming Sessions. Hinzu kommen in solch einem kleinen Team häufige, spontane Gespräche zwischen einzelnen Teammitgliedern, so dass ein stetiger Informationsfluss stattfindet.

Die Kommunikation innerhalb des eigenen Teams ist der Safe Space, also der Bereich, in dem sich die meisten Mitarbeitenden wohl fühlen und für eine Kommunikation nicht aus ihrer Komfortzone heraus müssen. Es ist ein idealer Raum zum Üben, der durchaus genutzt werden sollte, denn schon ausserhalb des Teams wird die Kommunikation komplizierter und gleichzeitig noch wichtiger.

Geschäftskritische Kommunikation zwischen Tech und Business

Als Software Engineer oder Technical Leader arbeitest du gewöhnlich an der Schnittstelle zwischen Menschen und Maschine, zwischen Firmenstrukturen und einer häufig komplexen Software-Architektur. Es drängt sich das typische Bild eines Eisbergs auf: ein kleiner Teil ist für alle sichtbar, der grösste Teil bleibt den meisten Augen jedoch unter Wasser verborgen. Diesen unsichtbaren Teil, den Technologie Stack, für alle Mitarbeitenden verständlich zu machen ist eine schwierige, aber essenzielle Aufgabe und massgeblich für den Erfolg der darauf aufbauenden Businessmodelle verantwortlich.

Diese Tatsache bringt hohe Anforderungen an Mitarbeitende aus dem Technologie-Bereich mit sich, deren potentieller Impact nicht unterschätzt werden darf. Unvollständige, missverstandene oder gar falsche Informationen zwischen Tech und Business können zu fehlerhaften Geschäftsstrategien und damit mittel- bis langfristig zu äusserst kritischen Folgeeffekten führen. Eine mehrdimensionale Kommunikation zwischen Software Engineers, Product Managern, Designern, QA-Engineers, Marketing, Sales und Management sollte daher das Ziel sein, um ein dichtes Netz an Informationsflüssen zu flechten und ein gemeinsames Verständnis für den Status Quo, Abhängigkeiten und Ziele zu schaffen.

Ein Teil unseres Jobs als Software Engineer ist es, komplexe technische Sachverhalte ohne Fachbegriffe und irrelevante Details transparent und einfach verständlich für alle Mitarbeitenden der unterschiedlichen interdisziplinären Teams zu vermitteln. Das kann in Townhall-Meetings passieren, in Demo-Showcases oder in den Daily Standups eines Produkt-Teams. Es kann sich um schriftliche oder mündliche Kommunikation handeln und der Inhalt kann aus neuen Features, Bugs oder Informationen zum Status Quo einzelner Teams oder Projekte bestehen. Allen gemein ist die hohe Relevanz der Informationen für eine interdisziplinäre Organisation, die auf ein weitreichendes gegenseitiges Verständnis bei allen involvierter Rollen und Personen angewiesen ist.

Können wir Software Engineers Kommunikation?

Die meisten Software Engineers sind nicht unbedingt als begnadete Speaker bekannt. Sei es aufgrund fehlender oder negativer Praxiserfahrung oder weil das Sprechen vor einem Publikum, die Übernahme von Verantwortung und daraus resultierende eventuelle Konsequenzen für Ängste sorgen: Die Gründe dafür können so vielfältig wie vermeintlich banal sein und haben ihren Ursprung teilweise in einer ungesunden Unternehmenskultur, oder entspringen bei eher introvertierten Menschen dem persönlichen Naturell. Ein guter Engineering Manager wird diese Gründe erkennen und sollte die Mitarbeitenden individuell dabei unterstützen, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.

Auch eine intrinsische Motivation, die eigenen Kommunikationsfähigkeiten weiter zu entwickeln, ist ein wichtiges Puzzleteil im Verlauf der Laufbahn als Software Engineer. Idealerweise unternimmst du bereits als Junior Engineer erste Schritte, um regelmässig in die Kommunikation eingebunden zu sein und Erfahrung sammeln zu können. Denn spätestens als Senior Software Engineer werden gute kommunikative Fähigkeiten und ein gewisses Talent zum Vermitteln komplexer Sachverhalte normalerweise vorausgesetzt. Die Realität ist allerdings ebenso, dass auch bei nicht wenigen alten Hasen durchaus Entwicklungspotential vorhanden ist, da die individuellen Weiterentwicklungsmöglichkeiten in nicht wenigen Firmen begrenzt oder schlimmstenfalls überhaupt nicht vorhanden sind.

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Gute Kommunikation ist geradlinig, einfach und klar, mit einem verständlich dargelegten Thema und konkreten Next Steps.

Gute Kommunikation kann man lernen

Die gute Nachricht ist: deine persönlichen Kommunikationsfähigkeiten kannst du trainieren und verbessern. Dazu ist je nach Persönlichkeit insbesondere bei introvertierten Menschen am Anfang etwas Mut nötig. Du wirst aber schnell merken, dass du in deiner Kommunikation selbstsicherer und souveräner wirst – und du wirst ebenso feststellen, dass das auch deine Kollegen und Kolleginnen bemerken und deine Rolle als Bindeglied zwischen Tech und Business immer mehr akzeptieren und respektieren.

Übrigens ist das Verbessern deiner Kommunikationsfähigkeiten auch einer der ersten und gleichzeitig wichtigsten Schritte hin zum Management-Track: Falls du dich vom Individual Contributor-Pfad hin zum Tech Lead, Engineering Manager oder anderen Leadership-Rollen entwickeln möchtest, ist gute Kommunikation die Basis für diese Jobs.

Die folgenden zehn Tipps können dir helfen, dich auf eine Kommunikation vorzubereiten, sie erfolgreich durchzuführen und im Nachgang zu reflektieren, wie du dich beim nächsten Mal weiter verbessern kannst.

Trau dich!

Kommunizieren bedeutet gleichzeitig auch, sich zu exponieren. Wer sich exponiert, steht auch mal im Gegenwind. Das kann insbesondere am Anfang etwas einschüchternd wirken. Sobald du diese Tatsache akzeptiert hast, solltest du sie aber auch schon wieder beiseite legen und dich voll und ganz auf das Thema konzentrieren, welches du kommunizieren möchtest. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch, das gilt in der Kommunikation genauso wie bei vielen anderen Dingen im Leben. Wenn du also mit gutem Wissen und Gewissen hinter deinem zu kommunizierenden Thema stehst, traue dich und mache es einfach.

Eine Möglichkeit, diesen Druck etwas zu reduzieren, ist das gemeinsame Kommunizieren mit einer Teamkollegin oder einem Teamkollegen. Steht zum Beispiel ein Demo-Showcase des weiterentwickelten Produkts an, könnt ihr euch die Kommunikation aufteilen und zusammen durchführen. Stellt vorher unbedingt sicher, dass beide vom Gleichen sprechen und beispielsweise im Hinblick auf Timelines von Deliverables keine abweichenden Angaben gemacht werden.

Direkte versus indirekte Kommunikation

Insbesondere bei wichtigen Kommunikationen (wenn alle Empfänger das gleiche, unmissverständliche Verständnis haben müssen), solltest du immer auf die direkte Kommunikation zurückgreifen. Direkt bedeutet in diesem Kontext, direkt mit den Beteiligten zu sprechen und die Kommunikation nicht über andere Personen laufen zu lassen. Das ist insbesondere bei Führungsrollen wichtig, aber beispielsweise auch in der Rolle eines Tech Leads nicht zu unterschätzen. Wenn es zum Beispiel Probleme beim Arbeiten mit der CI/CD-Pipeline gibt und immer wieder auf einen fehlgeschlagenen Build committed wird, musst du das direkt im Engineering-Team mit den verantwortlichen Personen ansprechen und solltest diese Kommunikation nicht über einen Dritten laufen lassen.

Insbesondere bei unangenehmen Themen tendieren wir dazu, diesen Gesprächen auszuweichen und die Information nur indirekt an den oder die Empfänger weiter zu geben. Das ist zwar verständlich, gleichzeitig aber das perfekte Rezept für weitere Missverständnisse, denn es besteht eine latente Gefahr, dass die Botschaft aufgeweicht wird. Hintergrund ist ein Phänomen, welches wir alle noch vom Spiel „Stille Post“ kennen: mit jedem weiteren Zwischenrelais in einer Kommunikation wird das ursprüngliche Thema weiter verwässert. Jede Person bringt wissentlich oder unwissentlich eine eigene Perspektive mit hinein und am Ende kommt die Kernbotschaft unter Umständen nicht mehr in der nötigen Klarheit bei den Empfängern an. Was bei einem Spiel lustig ist, kann jedoch im unternehmerischen Kontext weitreichende Folgen haben.

Was einfache Sprache mit guter Kommunikation zu tun hat

Einfache Sprache ist eine vereinfachte Version der jeweiligen Sprache (zum Beispiel der deutschen Sprache). Sie richtet sich an Menschen, die weniger gut lesen können oder für die die Sprache eine Fremdsprache ist. Nun ist es nicht das Ziel, deine gesamte Kommunikation in einfacher Sprache aufzubauen. Gleichwohl solltest du dir durchaus bewusst sein, dass nur diejenige Kommunikation ihr Ziel erreicht hat, die möglichst viele Menschen mitnimmt und von deren Information möglichst viel hängen geblieben ist. Je einfacher verständlich der Inhalt dabei ist, umso höher ist die Chance, dass viele Zuhörerinnen und Zuhörer den Inhalt verstanden haben.

Gerade bei schriftlicher Kommunikation oder Slidedecks lohnt es sich daher, das Geschriebene nochmal zu kontrollieren und alle unötigen Füllwörter, unverständliche und unerklärte Fachbegriffe oder zu tief ins Detail gehende Passagen zu streichen.

Arbeite an deine Rhetorik

Es lohnt sich, bisweilen die Kommunikation bekannter und sprachgewandter Persönlichkeiten etwas genauer zu analysieren. Wer sich einmal Reden von Barack Obama angesehen hat, wird feststellen, dass dieser eine einfache, gleichwohl sprachgewandte Ausdrucksweise in Kombination mit einer herausragenden Rhetorik anwendet – womit die insbesondere bei Politikern durchaus sehr diverse Zielgruppe (meistens) auch erreicht wird.

Sollen wir also jetzt alle sprechen wie Barack Obama? Das wäre für die allermeisten Situationen vermutlich ziemlich übertrieben. Dennoch lohnt es sich, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich im Hinblick auf gute Kommunikation von den Personen etwas abzuschauen, die in diesem Métier wirklich herausragend sind – sei es in sprachlicher oder in schriftlicher Form.

Finde deinen Sweet Spot

Vermutlich kennt jeder von uns diese Menschen, denen man gerne zuhört. Wir hören ihnen gerne zu, weil sie eine angenehme Stimmlage haben, weil sie eine perfekte Aussprache und Intonation der Stimme haben, weil sie packend und mitreissend auch über die banalsten Themen sprechen können oder weil sie die Zuhörerschaft auch bei seriösen Themen zum Lachen bringen.

Nicht jeder von uns hat die perfekte Stimme (selber schätzt man den Klang der eigenen Stimme übrigens fast immer als furchtbar ein) oder den unterschwelligen, feinfühligen Sinn für Humor. Dennoch lohnt es sich, sich selber zu beobachten und zu analysieren, welche Kommunikation am nachhaltigsten bei den Empfängern angekommen ist. Natürlich geht es nicht darum, jeden Workshop in eine Show zu verwandeln. Trotzdem können kleine Details den Unterschied machen und dafür sorgen, dass die Botschaft von der Audience mit grösserem Interesse aufgenommen und nachhaltiger verinnerlicht wird.

Kenne deine Audience

Bei der Arbeit als Software Engineer begegnen uns komplexe Problemstellungen verhältnismässig häufig. Wenn du dich mehrere Stunden oder gar Tage mit einem schier unlösbaren Problem herumgequält hast und am Ende eine Lösung gefunden hast, bist du zu Recht vermutlich stolz darauf. Getreu dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ möchtest du dieses Ergebnis beim nächsten Teammeeting der gesamten Belegschaft zeigen und hältst eine 20-minütigen Präsentation über dein technisches Meisterwerk. Das Ergebnis: höflicher Beifall und den Rückfragen nach zu urteilen ein überschaubares Verständnis bei den Zuhörerinnen und Zuhörern.

Je nach Art des Meetings und entsprechend der Zuhörerschaft muss der Inhalt der Kommunikation deutlich angepasst werden. In einem Workshop mit anderen Software Engineers kannst du durchaus auf die technischen Details eingehen. Beim Gespräch beispielsweise mit Marketing- und Customer Success-Mitarbeitenden sind die meisten technischen Informationen hingegen bereits nicht mehr nötig oder spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Beim Teammeeting mit der gesamten Firma geht es ausschliesslich um das Vermitteln der wichtigsten Informationen auf einem kontextuellen Level, welches alle Mitarbeiter verstehen können. Kommst du in den Genuss eines Meetings mit dem Advisory Board, dürfte den beteiligten Personen oftmals nicht einmal die verwendete Programmiersprache bekannt sein und die präsentierten Informationen sollten sich auf die strategisch wichtigsten Eckpunkte beschränken.

Bringe Informationen auf den Punkt

Vermutlich hast du schon einmal von den „Three C’s“ für erfolgreiche Kommunikation gehört: Be clear, concise and complete. Nicht die längste Kommunikation ist die erfolgreichste, sondern diejenige, die in kürzester Zeit alle relevanten Informationen klar und verständlich übermitteln kann. Dabei hilft es auch, Software Systeme nicht nur von innen heraus, sondern insbesondere aus der Aussenperspektive basierend auf den erwarteten Outputs zu kennen, über dafür notwendige KPI’s Bescheid zu wissen und diese mit den technischen Abläufen in Verbindung bringen zu können.

Du kannst in der Vorbereitung für deine Kommunikation eine Art „Test-driven Development“ Ansatz verwenden und dir überlegen, welche Informationen deine Audience nach dem Workshop wirklich behalten soll. Dadurch beziehst du den aktuellen Wissensstand deiner Zuhörer bereits mit in die Planung ein und vermeidest Monologe zu Themen, die für sie nicht relevant sind. Betrachte deine Kommunikation als Pitch wie bei einem Startup, bei dem du innert kürzester Zeit eine kritisch eingestellte Audience überzeugen möchtest.

Das Gleiche gilt übrigens auch für die berühmt-berüchtigten Slidedecks: hier ist weniger ganz eindeutig mehr und du solltest dich (sofern sie denn überhaupt nötig sind) auf eine Handvoll Slides mit den wichtigsten Stichpunkten beschränken. Noch besser als geschriebene Worte wirken in Slidedecks machmal auch nur visuelle Darstellungen.

Kommuniziere nur dann, wenn du auch dahinter stehst

Vielleicht erinnerst du dich noch an die Zeit in der Schule, als man Referate vorbereiten und halten musste. Meistens zu Themen wie den wichtigsten Merkmalen der Barockzeit, ein für die meisten Heranwachsenden maximal uninteressantes und wenig zukunftsrelevantes Zeug. Diese Referate wurden dann auch häufig unterirdisch schlecht, was vermutlich zum einen am leicht exzessiven Lebensstil als Teenager lag, zum anderen aber auch stark der Tatsache geschuldet war, dass man sich für das Thema einfach nicht interessiert hat.

Was können wir davon lernen? Nun, vor allem eines: Kommuniziere nur dann und nur über ein Thema, wenn du dich sattelfest fühlst und das nötige fundierte Hintergrundwissen besitzt. Falls das nicht möglich ist und es dennoch Gründe dafür gibt, dass du etwas Unbekanntes oder Unklares kommunizieren musst, wird der nächste Punkt umso wichtiger.

Sei dir der Schwachstellen deiner Kommunikation bewusst

Egal wie gut du vorbereitet bist: es wird eine Person geben, die mit Adleraugen die Schwachstelle deiner Kommunikation erspäht. Das ist grundsätzlich auch vollkommen in Ordnung, denn Kommunikation ist ebenfalls dazu da, Feedback zu den übermittelten Informationen zu triggern. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen Rückfragen mehr oder weniger offensichtlich als gute Gelegenheit genutzt werden, Schwachstellen oder Fehler herauszustellen.

Ein souveräner Umgang mit solchen Situationen ist wichtig. Zuerst einmal musst du dir im Klaren darüber sein, dass du dich in dem Moment, in dem du kommunizierst auch gleichzeitig exponierst. Fehler passieren und sind menschlich, angebrachtes Feedback solltest du ruhig, vielleicht kombiniert mit einer gesunden Prise Humor, annehmen und dich dafür bedanken. Auch bei kritischen Fragen gilt grundsätzlich das Gleiche. Wenn bei dir jedoch der Eindruck entsteht, es geht mehr um ein verhohlenes Anprangern und Finger Pointing, solltest du einen effektiven Umgang mit der Situation anstreben. Beispielsweise kannst du bei zu detaillierten Rückfragen, die für die Mehrheit uninteressant sind, die Fortsetzung des Gesprächs zu einem späteren Zeitpunkt in kleinerer Runde anbieten.

Ist dir bereits eine Ungereimtheit in deiner Kommunikation bekannt, ist es am besten, diese offen zu thematisieren. Je transparenter du Wissenslücken oder Unklarheiten machst, umso weniger angreifbar machst du deine Kommunikation und legst gleichzeitig wichtige Informationen offen.

Grundsätzlich solltest du immer bereit sein, Rückmeldungen und Feedback entgegen zu nehmen. Diese helfen dir dabei, deine Kommunikationsfähigkeiten weiter zu verbessern und stellen in Kombination mit dem Reflektieren des eigenen Auftritts einen wichtigen Baustein in deiner Weiterentwicklung dar.

Nutze geeignete Kommunikationskanäle

Als Software Engineer wirst du typischerweise entweder auf der Tonspur oder in schriftlicher Form kommunizieren. Das Umfeld sind normalerweise Meetings, Workshops oder Situationen, die eine entsprechende schriftliche Kommunikation erfordern. Menschen haben von Natur aus unterschiedlichste Methoden, um Informationen aufzunehmen. Diese variieren zwischen dem Verarbeiten durch Sehen und Hören, durch Nachdenken und Handeln, durch logisches und intuitives Denken oder durch Analysieren und Visualisieren.

Gute Kommunikation ermöglicht es allen Empfängern, die Informationen auf ihre eigene individuelle Art verstehen zu können. Dabei kann es beispielsweise unterstützen, komplexe Abläufe visuell zu untermauern, die wichtigsten Kernpunkte auch bei mündlicher Kommunikation schriftlich festzuhalten oder (beispielsweise bei Produkt-Demos) direkt eine Live-Demo durchzuführen.

Aus Gründen der Fairness gegenüber Personen, die zum Zeitpunkt der Kommunikation nicht teilnehmen konnten, ist es ratsam, die wichtigsten Kernpunkte ebenfalls in schriftlicher Form zur Verfügung zu stellen. Das kann eine Nachricht in einem Slack-Channel sein, eine Email oder kurze Meeting Minutes in Wiki-Software wie ClickUp oder Confluence.

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Nicht nur wir Menschen kommunizieren, auch Tiere haben herausragende Fähigkeiten zur Kommunikation.

Zusammenfassung

Klar ist: ohne Kommunikation geht es nicht. Als Software Engineer hast du aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet eine Menge guter Gründe, deine Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln und zu perfektionieren. Einerseits gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Effektivität des Informationsaustauschs und der Zusammenarbeit und damit Qualität der Ergebnisse innerhalb des eigenen Teams. Andererseits nehmen die Situationen, in denen eine professionelle Kommunikation gefragt ist, mit zunehmendem Senioritätslevel zu und gehören zu den Basics, die Unternehmen als Anforderung an das Profil eines Senior Software Engineers stellen.

Gründe, die individuellen Kommunikationsfähigkeiten als Software Engineer als essenzielles Skillset zu betrachten gibt es genug. In Anbetracht der hohen Relevanz dieses Themas, dem persönlichen Benefit und dem unbestreitbaren Nutzen für dein Team und dein Unternehmen sollten regelmässige Workshops, Präsentationen und Reden ein integraler Bestandteil deines Arbeitsalltags sein. Auch im persönlichen Umfeld kannst du davon profitieren und Einfluss darauf nehmen, wie du von deinen Mitmenschen wahrgenommen und akzeptiert wirst.

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